EISENSTÄDTER FORSCHUNGEN
HERAUSGEGEBEN VON SÁNDOR WOLF
BAND II.


URKUNDEN UND AKTEN
ZUR GESCHICHTE DER
JUDEN IN EISENSTADT

UND DEN
SIEBENGEMEINDEN

BEARBEITET
VON
DR. BERNHARD WACHSTEIN

MIT 22 ABBILDUNGEN

 

WILHELM BRAUMÜLLER
UNIVERSITÄTS-VERLAGSBUCHHANDLUNG
WIEN UND LEIPZIG
1926 


SEINER LIEBEN MUTTER HERMINE WOLF

 

DER HERAUSGEBER.


Der vorliegende zweite Band der Eisenstädter Forschungen erscheint vier Jahre nach dem ersten. Volle vier Jahre hat Bernhard Wachstein emsig daran geschafft und eine Fülle von Wissen und Arbeit daran gewendet.

War der erste Band ("Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Eisenstadt") ein Buch voll wehmütiger Rückblicke auf die vielen, vielen, die seit Jahrhunderten ins Grab gesunken sind und darum dem mir teuersten Toten, meinem geliebten Vater gewidmet, so ist dieser Band ein Buch des Lebens, das ich, dem Himmel sei dank, der unter uns in voller Frische wandelnden Mutter zueignen kann.

Das Buch behandelt das pulsierende Leben, wie es sich aus dem Protokollbuche der Gemeinde (dem "Schwarzen buch") und aus auf uns gekommene vergilbten Pergamenten und Papieren darstellt. Doktor Wachstein hat die Materie meisterhaft in ihre verschiedenen Bestandteile zerlegt, so daß sie, dergestalt geordnet, die Lektüre außerordentlich erleichtert. Alle Einzelheiten des Lebens und Treibens im jüdischen Ghetto durch nahezu ein Vierteljahrtausend erscheinen vor unserem geistigen Auge. Man sieht wie Handel und Wandel, geleitet durch weise und gerechte Führer, geistliche und weltliche, vor sich geht, und wie diese Obrigkeit es versteht, die Achtung vor dem alten Gesetzt und den Vorschriften der Religion durchzusetzen, auch solchen widerstrebenden Bürgern gegenüber, die einem bevorzugten Stand oder Rang angehören. Vor Gott und dem Gesetzt sind alle gleich, jeder hat sich zu fügen, aber auch Übergriffen der Vorsteher gegenüber war der Bürger nicht schutzlos, wenn er in seinem Rechte war. Es war ein wohlgeordnetes Gemeinwesen, in dem in seiner Blütezeit, im achtzehnten und auch noch im neunzehnten Jahrhundert, hervorragende Volksgenossen Heimatrecht zu erwerben trachteten. Wir können mit Stolz auf die Vergangenheit unserer engsten Heimat zurückblicken, deren vielhundertjährige Existenz alle Behauptungen, daß Juden sich nicht selber regieren können, Lügen straft. Dieser Grund allein müßte für uns in der Gegenwart Lebenden schon wichtig genug sein, um an der Selbstregierung unserer Gemeinde festzuhalten. Schon in deiner Anmerkung meines Geleitwortes zum ersten Band erwähnte ich die Bestrebungen, die Autonomie der Judengemeinde aufzuheben. Seitdem Eisenstadt zur Hauptstadt des Burgenlandes erwählt wurde, hat die Bewegung, die auf Anschluß der Judengemeinde an die Freistadt zielt, wieder neue Nahrung bekommen, doch es muß einen Ausweg geben, der den Fortschritt zu einem Groß-Eisenstadt nicht hemmt und uns doch dieses kulturhistorisch und menschlich so interessante Denkmal, das soviel Schönheit in sich birgt, nicht raubt. Es ist ja mit seinen religiösen und karitativen Einrichtungen auch ein Musterbeispiel für den Aufbau von städtischen Siedlungen im Heiligen Lande. Wir sind bei all unserem technischen Fortschritte nicht so weit, daß wir leichten Herzens auf unseren Besitzstand an alten Kulturgütern verzichten könnten. Das moderne Leben hat  schon zu viele Verbindungen mit der Vergangenheit vernichtet und so viele Menschen entwurzelt. Hüten wir uns darum, dort, wo die Tradition noch unversehrt erhalten ist, die Axt an diese Wurzel von Glück und Zufriedenheit zu legen. Es wäre zu traurig, wenn es nicht gelingen würde, [SHIN"ALEPH KOF"KOF] die Gemeinde Eisenstadt zu retten.

Eisenstadt, im September 1925

Sándor Wolf


I. DAS HEIMATRECHT

1. 1708 Juli 14.
Die jüdische Gemeinde Eisenstadt gegen die früher in Eisenstadt, jetzt Wien wohnhaften Mitglieder Wolf Jafe, Abraham Spitz und Asriel b. Isak Brilin vor dem Rabbinatsgerichte des Landesrabbiners Simson Wertheimer in Wien.
2. 1715 Mai 31.
Die jüdische Gemeinde Eisenstadt gegen ihre in Wien wohnhaften Mitglieder vor dem Rabbinatsgerichte des Landesrabbiners Simson Wertheimer in Wien.
3. 1716 Juni 15.
Schiedsrichterlicher Spruch in Sachen der Gemeinde Eisenstadt gegen ihre in Wien wohnhaften Mitglieder.
4. 1716 Sept. 20.
Vergleich zwischen der Gemeinde Eisenstadt und den in Wien wohnhaften Mitgliedern Abraham Spitz, Mordechai Jafe, Hirsch Spitz betreffend die jährlichen Abgaben.
5. 1716 Sept. 16.
Vergleich zwischen der Gemeinde Eisenstadt und Salman Neumegen in Wien.
6. 1728 März 11.
MaHaRaM ASCH wird von der Gemeinde Eisenstadt, vertreten durch Josef Lwów, und Asriel Brilin angerufen, die zwischen ihnen obwaltenden Streitpunkte zu schlichten. (Der erste Rabbiner von Eisenstadt war Rabbi Meir ben Isak Eisenstadt, 1717 durch Samson Wertheimer nach Eisenstadt berufen. Er wurde auch MaHaRaM ASCH genannt)
7. 1742.
Vormerkung auf die Häuser Asriel Brilins über den Betrag von 340 fl. an rückständigen Abgaben (130 fl. und 15 fl. x 14, s. 1788 Mai 19).
7a. 1743 Juli 25.
Vergleich zwischen der Gemeinde und den Bevollmächtigten des Asriel Brilin.
8. 1717 Dezember 22.
Verzichtleistung des Isak, Sohn des Märtyrers Antschel, auf das Heimatsrecht in Eisenstadt.
9. 1720 September 3.
Gewährung eines Nachlasses für Ahron Löb b. David, gegenwärtig in Kittsee wohnhaft. (Sohn: Moses Löb in Kittsee)
10. 1721 Jänner 30.
Aufnahme des Anschel Jafe aus Güns.
10a. Ohne Datum.
Eintrag über einen Erlag von 40 fl. à conto des Eintrittsgeldes durch Israel Modern.
10b. 1726 März 3.
Aufnahme des Moses b. Anschel Jafe.
11. 1721 Februar 2.
Aufnahme des Rafael b. Alexander, Pächters in Millendorf.
11a. 1727 Februar 20.
Aufnahme der Zipperl T. Rafael b. Alexander und deren Ehemann Eisik.
11b. 1734 Dezember 23.
Verleihung des Heimatsrechtes an den zweiten Ehemann der Zipperl T. Rafael, Israel Hirsch aus Neufeld.
12. 1721 September 17.
Verleihung des Wohnrechts an Chawa T. des verstorbenen Gemeindedieners Elia b. Beer Schamasch.
13. 1727 Juni 25.
Vereinbarung mit Asriel Protovin, der nach Rechnitz zieht, über dessen Verbleiben im Gemeindeverbande.
14. 1728 Mai 20.
Verzichtleistung auf das Wohnrecht seitens des Vorbeters Koppel b. Jakob Trebitsch.
15. 1729 Februar 20.
Ausgleich mit Mordechai b. Pinchas aus Fürth, Schwiegersohn. des Anschel Güns, wegen Abgaben und Bolletten.
16. 1730 November 5.
Ausgleich mit Jesaia Ulmo, Arzt, wegen jährlicher Abgaben.
17. 1731 Jänner 2.
Die Bedingungen für die Aufnahme des Jakob b. Juda Löb ha-Levi in den Gemeindeverband.
18. 1731 Jänner 8.
Vereinbarung mit Wolf b. Eberl aus Belgrad wegen des jährlichen Beitrages.
19. 1732 Oktober 24.
Eintrag über eine Zahlung des Isak b. Rafael. (Grossvater: Jakob Pollak)
20. 1733 Mai 27.
Die Zusicherung der Aufnahme in den Gemeindeverband für Bendit Preisach.
20a. 1734 August 10.
Aufnahme des Bendit Preisach.
21. 1733 Juli 27.
Verbleiben des nach Trebitsch berufenen Rabbiners Josef Lwów.
22. 1733 November 1.
Vereinbarung mit Isak Halberstadt wegen Verbleibens im Gemeindeverbande.
23. 1733 April 20.
Aufnahme des Juda Berlin. (Vielleicht Enkel des Berliner Financiers Jost Liebmann?)
24. 1742 Juni 26.
Aufnahme des Hirsch b. Hirsch. (Schwiegervater: Israel Hirsch Spitz)
25. 1742 August 15.
Aufnahme des Meir b. Isak Spitz.
26. 1742 August 15.
Verbleiben des Simeon Sulzbach.
27. 1742 Dezember 12.
Die Zusicherung des Heimatsrechtes für Löb b. Rafael Kschiess.
28. 1743 Mai 6.
Aufnahme des Hirsch b. Simcha Broda. aus  Tretitsch (Schwiegervater: Hirsch Austerlitz).
29. 1743 August 12.
Verbleiben des Josua Kamen. in Aszód. (Vater:  Koppel Kamen)
30. 1745 November 9.
Aufnahme des Sanwel b. Hirsch b. Löb Austerlitz, wohnhaft in Pirnitz. (Brtnice)
31. 1746 Jänner 10.
Verbleib des Jakob Austerlitz.
32. 1746 Juni 12.
Verbleiben des Nathan b. Wolf Purbach. (Bruder: Leser).
33. 1746 August 1.
Aufnahme des Ahron Löb Rakower aus Mährisch-Krumau. (Ehegattin: Die Witwe des Bendit Preisach. Vater:  Rabbiner Josef Rakower.)
34. 1747 August 31.
Verleihung des Heimatsrechtes an Sabel Leidesdorf. (Vater:  Vorsteher Aberl Leidesdorf).
35. Dezember 26.
Verbleiben des Jakob Tachau und des Israel b. Berech. (Jakob ist ein Sohn von Abraham Tachau. Israel ist ein Bruder von Hirsch b. Berech.)
36. 1749 März 13.
Verleihung des Heimatsrechtes an den auswärts wohnenden Gerson b. Samuel aus Meseritsch (Schwiegervater: Jakob Reichenau).
37. 1749 August 24.
Verbleiben des Selig b. Wolf. (Bruder:  Leser b. Wolf).
38. 1750 August 5.
Vergleich mit Moses Löb b. Ahron in Wien. (Die zweite Frau von Moses war Hindel Austerlitz).
39. 1751 Februar 14 abends.
Aufnahme des Hirsch b. Meir, Vorbeters in Mattersdorf.
40. 1751 März 8.
Aufnahme des Jakob b. Leser Schlichter aus Lackenbach. (Schwiegervater:  Juda Oppenheim).
41. 1751 April 12.
Verbleiben des David Preisach. (Vater: Wolf Preisach).
42. 1752 Dezember 24.
Aufnahme des Jakob b. Löb Wesel aus Freistadt. (Vater: Löb Wesel. Onkel: Josef Wesel).
43. 1753 Jänner 5.
Aufnahme des Sanwel Brilin aus Preßburg.
44. 1753 August 12.
Verbleiben des Israel b. Jehuda Löb b. Berech in Rechnitz. (Onkel: Hirsch b. Berech).
45. 1754 August 9.
Aufnahme des Samuel b. Mordechai Güns. (auch Samuel Marx Israel Schlesinger genannt).
46. 1755 Februar 13.
Verbleiben des Salomo, Sohnes des Schneiders Jakob.
47. 1755 März 6.
Aufnahme des Wolf Löb b. Isak.
48. 1744 April 7 abends.
Die Heimatberechtigung für Sanwel b. Perez Zebi in Pápa. (Der Arzt Moses Rofe, auch genannt Moses b. Beer aus Kolin, bringt vor, nachdem seine Schwägerin Tolza, die Witwe des Jona Kadelburg, schon von früher her heimatberechtigt. im Begriffe ist Sanwel b. Perez Zebi in Pápa zu heiraten).
49. 1756 September 20.
Verleihung der Heimatberechtigung für Simeon b. Salomo Szombathel.
50. 1757 April 7.
Besteuerung der Witwe Chana Emmerich in Wien. (vermutlich Mitglied der Familie Gomperz)
51. 1757 Juli 17.
Vergleich mit Josel b. Simson Wertheimer in Wien. (Die Gemeinde wird vertreten durch Ahron Soest und Abraham Tachau. Kassier war vermutlich Meir Epstein).
52. 1758 September 28.
Verbleiben des Mordechai b. Löb Güns-Jaffe in Ofen. (Großvater: Anschel Güns-Schlesinger)
53. 1759 November 14.
Verbleib des Berl b. Gözel. (Schwiegervater: Asriel Cohen).
54. 1759 Dezember 21.
Verbleiben des Anschel Güns. (Vater: Samuel Israel Schlesinger?).
55. 1760 Jänner 14.
Verbleib des Bendit Preisach. (Onkel: Anschel b. Wolf Preisach. Vielleicht ist Bendit ein nachgeborener Sohn - aus zweiter Ehe - des Bendit Preisach aus Nr. 20.).
56. 1760 September 29.
Aufnahme des Moses Löb Segal aus Nikolsburg. (Vater: Samuel ha-Levi aus Nikolsburg. Das Aufnahmegesuch wird von Nathan Pollak gestellt).
57. 1760 November 2.
Verbleib des Zebi Hirsch b. Beer b. Berech in Preßburg. (Vater: Beer Benedikt).
58. 1761 Mai 10.
Verbleib des Mordechai b. Abraham Hirsch Weiler b. Abraham Zebi.
59. 1761 August 17.
Verbleib des Rausnitzers Rabbiners Juspa Gokesch.
60. 1762 Dezember 29.
Aufnahme des Salman Spitz. (Der gelehrte R. Salman ha-Levi Spitz ist vermutlich Sohn des Hirschel b. Abraham Spitz).
61. 1763 Oktober 6.
Aufnahme des Gerson Tritsch. (Schwiegervater: Sabel b. Aberl Leidesdorf)
62. 1763 Oktober 10.
Verbleiben des Moses Löb Horowitz. (Vielleicht mit Moses Löb Segal identisch?).
63. 1763 November 26.
Verbleiben des Wolf, Sohnes des Leser b. Wolf. (s. Nr. 37).
64. 1765 Juli 16.
Verbleiben des Abraham b. Mordechai Leinkauf in Pápa. (Leinkauf ist vielleicht der Berufsname des Vaters. Unter Leinkauf - Leihkauf - versteht man oft den Betrag, den der Käufer beim abgeschlossenen Kauf noch zum Vertrinken hergab, also Trinkgeld. Die Familie führte den Namen Eidlitz. Abraham Eidlitz starb in Eisenstadt 1786, seine Frau Gütel war aus Pápa gebürtig).
65. 1766 Juni 22.
Aufnahme des Moses b. Simeon Hirsch aus Frauenkirchen. (Schwiegervater: Aberl Leidesdorf).
66. 1766 Juni 23.
Aufnahme des Löb b. Chajjat aus Kittsee. (Jakob Chajjat ist wohl identisch mit dem Schneider Jakob b. Zebi. Jakobs Bruder Salomo unterschreibt Nr. 46, wo es um Jakobs Sohn Salomo geht. Jakob erscheint schon 1735 auf der Konskriptionsliste).
67. 1766 Juni 23.
Aufnahme des Löb b. Moses Güns-Jaffe aus Kittsee. (Vater: Moses. Großvater: Israel Marx Schlesinger bzw. Samuel Güns).
68. 1766 Dezember 24.
Aufnahme des Hirsch Waltersdorf, Schwiegersohn des Beer Neufeld.
69. 1766 Dezember 24.
Aufnahme des Löb Neumegen aus Preßburg. (Löb wird auch Leopold Benedikt Gomperz genannt. Seine Frau ist die Witwe des Anschel b. Samuel Güns, vgl. Nr. 54. Sein Schwager ist Löb Preisach. Die Frau Löb Preisachs, Täubche, war eine Tochter des Mendel Leidesdorf).
70. 1767 Februar 15.
Verbleiben des Feibel Hirsch Eidlitz in Pápa. (Vater: Mordechai Eidlitz. Bruder: Abraham Eidlitz. Siehe auch Nr. 64).
71. 1767 Mai 17.
Verbleiben des Ahron b. Jakob Cain Schlaining. (Schwiegervater: Mostel Kschiess).
72. 1767 November 29.
Verbleiben des Wolf Reichenau. (Vater: Jakob Reichenau. Siehe Nr. 36).
73. 1768 Jänner 11.
Verbleiben des Beer b. Menachem. (Schwiegervater: des Hirz Cohen).
74. 1768 Mai 24.
Verbleiben des David Soest in Raab. (Vater: Ahron Soest. Großvater: Abraham Soest).
75. 1768 März 28.
Aufnahme des Chajjim Leidesdorfer aus Wien. (Chajjim war ein Schwiegersohn von Josel Wertheimer. Chajjim Schwester war die Frau von Moses Koblenz).
76. 1769 Dezember 19.
Aufnahme des Chajjim Oppenheim aus Preßburg. (Vorgebracht von Chajjims Schwiegermutter Bella, Witwe des Jakob Raab.)
77. 1770 Jänner 2
Verbleiben des Rafael b. Löb Kschiess.
78. 1770 April 15
Aufnahme des Moses Löb b. Pinchas Jüdels aus Ofen. (Schwiegervater: Meir b. Salman Austerlitz).
79. 1771 April 1.
Aufnahme des Jeremia b. Sudel aus Sárvár. (Schwiegervater: Asriel Cohen. Siehe Nr. 53).
80. 1771 Dezember 24.
Verbleiben des Gerson b. Beer Neufeld. (Schwiegervater: Samuel Luzzatto).
81. 1772 März 5.
Verbleiben des Josel Schepchowitz in Kadelburg (Vater: Wolf Schepchowitz. Großvater: Josel Schepchowitz)
82. 1772 Juni 21.
Verbleiben des Isak, Sohnes des Samuel Luzzatto in Triest 
83. 1772 Juli 24.
Verbleiben des Samuel b. Avigdor in Kittsee. (Die Nachkommen nennen sich "Figdor". Das Gesuch wurde vorgetragen von Samuel Irritz).
84. 1773 Juli 18.
Verbleiben des Isak b. Hirsch Simcha. (Schwiegervater: Wolf Pollak).
85. 1773 August 9.
Verbleiben des Löb Hirsch b. Lipman in Stampfen. (Ehefrau: Fradel, Tochter von Josef Samuel Irritz. ).
86. 1773 Dezember 28.
Verleihung des Heimatrechts an Seligman, Schwiegersohn des Mattersdorfer Rabbiners Nathan b. Löb Nata Frankfurter.
87. 1774 Juli 10.
Verbleiben des Löb b. Moses b. Rafael Pollak. (Bürge: Samuel b. Mordechai Güns).
88. 1774 Dezember 25.
Aufnahme des Hirsch Temesvár. (Schwiegervater: Moses b. Rafael Pollak)
89. 1776 August 11.
Verbleiben des Josef Luzzatto in Preßburg. (Vater: Samuel Luzzatto. Mutter: Traitl bat David b. Samuel Weil. David war Schächter bei Josef Simson Wertheimer, ev. Nachfahre von David Weill, Fleischhauer in Wien, aus dem Elsass stammend.)
90. 1777 Juni 29.
Verbleiben des Wolf CaZ in Schlaining. (Vater: Feibel b. Wolf Schepchowitz)
91. 1777 Dezember 7.
Verleihung des Heimatrechts an Blümele, Witwe des Juda Löb Königswart in Wien. (Löb oder Löbel Baruch aus Königswart starb am 29. April 1776 in Wien. Kinder: Joachim, Gabriel, Moses und Michla).
92. 1778 April 14.
Verbleiben des Jüdel Beer b. Meir Epstein.
93. 1779 Mai 23.
Verleihung des Heimatrechts an Salomo b. Moses Zadoks aus Prag in Wien. (auch: Salomo Selkes)
94. 1779 November 28.
Aufnahme des Natel b. Meir. (Vermutlich identisch mit dem Wiener Großhändler Nathan Mayer, gest. 5. Januar 1821 in Wien. Nathan erscheint 1797 in der Wiener Firma des Joachim Heim als Handlungsgehilfe. Schwiegervater: Eisik London.)
95. 1779 Dezember 26.
Verbleiben des Lipman b. Moses b. Rafael in Temesvár.
96. 1780 Jänner 2.
Verbleiben des Mordechai b. Samuel Güns in Wien. (s. Nr. 87).
97. 1780 Juli 4.
Bestimmung der jährlichen Abgaben für Chajjim Wolf Königswart. (Auch: Joachim Wolf Baruch. Mutter: Blümel).
98. 1781 April 8.
Die Beitragsleistung des Josel Wertheimer in Wien. (Schwager: Chajjim Leidesdorfer. Vorsteher war zu dieser Zeit Moses Koblenz, Kassier Wolf b. Jakob Pollak).
99. 1782 Juni 30.
Aaufnahme des Jakob b. Mordechai Kört. (Auch: Jakob Kurt. Schwager: Jakob Pollak, Schwiegersohn des David b. Wolf Preisach, s. Nr. 41.).
100. 1783 März 16.
Aufnahme des Josef b. Ahron Jehuda aus Winden. (Schwiegervater: Isserl b. Leser. Verwandter: Mordechai b. Sender).
101. 1784 Juli 11.
Verbleiben des Baruch Rofe in Rechnitz. (Schwiegervater: Salomo Harchim).
102. 1784 Dezember 22.
Verbleiben des Isak b. Moses b. Rafael.
103. 1785 Juli 24.
Verbleiben des Süßkind b. Nathan Nata M.-D. in Gyarmat. (Vater Nathan Nata b. Rafael Pollak, s. Nr. 56.)
104. 1785 Dezember 24.
Verbleiben des Süßkind. (Vater: Vermutlich Rabbiner Josef Zebi SegaL aus Verbó. Schwiegervater: Jakob Wesel, s. Nr. 42).
105. 1785 Dezember 24.
Aufnahme des Mendel Setz. (Ehefrau: Sarl Epstein. Schwiegervater: Meir Epstein, s. Nr. 51. Schwager: Süssel Fürth. Schwägerin: Reizel Epstein.)
106. 1786 Juni 18.
Aufnahme des Samuel b. Isak Rofe.
107. 1793 April 4.
Aufnahme des Beer Reitlinger aus Deutschland. (In der Familienliste des David Semmler, Wien,  figuriert Beer Reitlinger als Schreiber. Ein anderer Angestellter von David Semmler war Martin Ungar, der Vater von Josef Ungers. Emilia, die Frau David Semmlers, wird als geborene Reitlinger bezeichnet. Wahrscheinlich war sie aber nicht eine Schwester von Beer Reitlinger. Vielleicht war Franziska, die Ehefrau von Beer Reitlinger, die Schwester von David Semmler). 
108. 1793 Juli 22.
Aufnahme des Moses Löb Schaffa aus Meseritsch. (Auch: Moses Löb Tiger. Kinder: Lea und Abraham).
109. 1793 Dezember 5.
Aufnahme des David b. Chajjim aus Piesling. (Empfohlen durch: Salomo Arnstein aus Wien.).
110. 1794 Februar 24.
Ausgleich mit Serche Leidesdorf. (Bürge: Moses Rust. Ehegatte: Josef Frankfurt, auch Josef Hamel genannt. Vermutlich ist Serche die zweite Frau von Josef, und die Schwester seiner ersten Frau. Wahrscheinlich ist sie Sara Goldschmidt in der Familienliste des Isak G. Landauer in Wien aus dem Jahre 1797. Tochter: Julie.  Schwiegersohn: Isak Landau oder Landauer, aus Bingen, seit 1792 im Besitze der Wiener Toleranz, Seidenhändler, gest. 21. Februar 1826 in Wien. Nach seinem Tode führt Julie das Geschäft. Eine Tochter, Nanette, ist die Frau des aus Frankfurt stammenden Moritz Goldschmidt, der Prokurist des Hauses Rothschild war; sie hatten zwei Söhne: Theodor und Julius. )
111. 1798 Dezember 30.
Erteilung des Wohnrechtes an Mordechai CaZ. (Ehefrau: Jütel. Schwiegervater: Moses b. Jedidja).
112. 1799 März 26.
Aufnahme des Gerson b. L. CaZ aus Pirnitz, in Wien. (Auch: Gerstl Lazar, später Kaspar Kohn. Tochter: Susanna. Schwiegersohn: Samuel Kann aus Stampfen).
113. Ohne Datum.
Bewilligung für Menachem Mendel b. Salman Deutsch aus Nikolsburg.
114. Ohne Datum.
Vergleich mit Mendel. (Schwiegervater Abraham Hirsch, vermutlich Abraham Hirsch Weiler).
115. 1799 August 2.
Beschluss wegen der Heimatsberechtigung des Salman b. Löb Preisach. (Ehegattin: Rebekka Friedländer aus Horic in Böhmen).
116. 1799 August 25.
Schreiben an Rebekka Preisach in Wien wegen rückständiger Toleranzsteuern ihres verstorbenen Gatten David Horschitz. (Rebekka ist vermutlich die Schwester von Salman b. Löb Preisach, s. Nr. 115. Preisach ist hier wohl der Mädchenname von Rebekka. David Horschitz stammt aus Horic in Böhmen starb vermutlich 1799. Es wird ein Pflegekind Salomon Preisach erwähnt.)
117. 1799 Oktober 28.
Vorzahlung von Schutzgeld vor der Heiratsbewilligung. (Lasi Stieber will Nucha, die Tochter von Koppel b. H. heiraten und hinterlegt einen von Moses Löb Schaffa gefertigten Wechsel).
118. 1802 Oktober 20.
Heimatrecht an Jakob b. Pinchas CaZ.
119. 1804 Jänner 25.
Erlass der Regierung betreffend die Niederlassung der aus den österreichischen Ländern stammenden.
120. 1805 November.
Ausgleich mit Hendel. (Ehegatte: Kalman Bisenz. Unterschrieben ist die Urkunde von den Vorstandsmitgliedern Abraham Spitz, Ascher Bumsla, Elia Machalup, Moses Mordechai Fürst).
121. 1814 September 11.
Aufnahme des Preßburger Oberrabbiners Moses Sofer aus Frankfurt a. M. (Ehefrau: Sarl, Tochter von Akiba Eger. Der erste Mann von Sarl war der jung verstorbene Abraham Moses b. Löb Kalischer, Rabbiner in Schneidemühl. Unterzeichner u.a. Mordechai Wiesbaden und Josua Reichenfeld).
122. 1819 Dezember 19
Heimatrecht an Salomo Windholz.
123. 1836 August 7.
Heimatrecht für Elias Bardach. (gest.: 11. Mai 1864 in Wien. Vater: David Bardach aus Lemberg. Neffe: S. L. Rappaport (Zirl Ettel, die Mutter von S. L. Rappaport, war eine Schwester von Elias Bardach. Unterzeicher: Michael Löb Rosenzweig)
124. 1837 Dezember 9.
Beschluss betreffend Jakob Stroh und Moses Bondi. (Jakob Stroh wohnt in Mühlendorf, Moses Bondi vermutlich in Draßburg).

II. SATZUNGEN UND NORMEN (TEKKANOTH)

Artikel 126 (1721) bis 178 (ca. 1860) behandeln öffentliche Angelegenheiten.

III. GEMEINDEGEBARUNG

Artikel  179 bis 248 behandeln Gemeindeangelegenheiten.

IV. STRAFERKENNTNISSE

249. 1724 Februar 6.
Die Gemeinde gegen den Fleischhauer Wolf b. Meir. (auch: Wolff Marcus).
250. 1724 Oktober 11.
Wolf b. Meir (s. 249.) gegen Ahron b. Abraham. Zoref (Goldschmied)
251. 1724 Oktober 11
Wolf b. Elieser Purbach gegen Wolf b. Meir (s. 249)
252. 1724 November 5.
Israel Modern gegen den Fleischhauer Abraham Zoref und Simeon b. Chanan.
253. 1726 August 7.
Die Gemeinde gegen den Gemeindediener Koppel aus Trebitsch. (Beteiligte: Koppel Trebitsch, Gemeindevorsteher Moses b. Wolf Marguelies-Jafe Schlesinger, Josef Lwów).
254. 1728 April 4.
Verurteilung des Mordechai Menzel.
255. 1728 Juli 8.
Abner aus Breslau und Michel aus Jamnitz gegen Simeon b. Heschel (Herschel?) Schnürmacher.
256. 1731 August 14.
Die Gemeinde gegen Simeon b. Chanan.
257. 1731 August 14.
Die Gemeinde gegen Leser b. Sender (Auch: Lazarus Sender, Lazarus Alexander?. Beruf: Fleischhauer.)
...
...

V. GEMEINDEFUNKTIONÄRE

Artikel Nr. 275 (Seite 402 ff).

12. Jänner 1794 bis 14. Mai 1805.

Die Angelegenheit Frumet und Chajjim Wolf

Der Sommer des Jahres 1793 brachten den Würdenträgern der Gemeinde eine große Gemütsbewegung. Unbekannte Hände haben im ganzen Orte "Pasquill-Zettelech" verbreitet, in denen die Gemeindegewalthaberschaft angegriffen und dem Spotte ausgesetzt wurden. Um den Urheber ausfindig zu machen, sah sich der Oberrabbiner gezwungen, gegen diesen und dessen Mitwissern den Bann zu verkünden. Dieses Mittel versagte nicht. Es bedurfte nicht eines ausdrücklichen göttlichen Hinweises wie zu Zeiten Josuas. Der Täter stellte sich. Es war dies Frau Frumet Wolf, die Ehefrau des Chajjim Wolf, die wir aus WEG S. 252-262 kennen. Die energische Frau wollte zwar ihre abweichende Meinung über die Verwaltung der Gemeinde durch eine anonyme Schmähschrift Ausdruck geben, aber sich in "Cherem" zu wissen, vertrug ihr religiöser Sinn, wie überhaupt der der Zeit, nicht. Nun wurde strenges Gericht gehalten und beschlossen, sie als "Chazufa" und "Peruza" öffentlich zu brandmarken und ihr den Synagogenbesuch für eine gewisse Zeit zu verbieten. Jetzt legte sich Chajjim Wolf ins Mittel, bat den Vorstand, schon um die Ehre ihrer Familie willen die Strafe zu mildern und entbot sich, die diktierte Strafe durch eine Geldbuße im Betrage von 18 fl. abzulösen. Der Vorstand erklärte sich "aus Nachsicht und frommer Demut" hiezu bereit und somit "wurde ihr Vergehen gesühnt". Alles dieses wurde in das Gemeindebuch eingetragen und von den Mitgliedern des Vorstandes - nicht aber vom Rabbiner - unterschrieben.

Diesen Eintrag ins öffentliche Buch empfand Chajjim Wolf als eine seiner Frau angetane Schmach, aber auch als eine Rechtsverletzung, vor allem deshalb, weil ja die von ihm geleistete Geldbuße den Zweck hatte, die öffentliche Bekanntmachung zu verhindern. Durch den Eintrag hat aber auch die Handlung eine zweimalige Bestrafung erfahren. Als die Schritte, die er wohl unternommen hatte, zu keinem Ergebnis führten, beschloß er, sich selbst Recht zu verschaffen. Diese Möglichkeit war ihm durch den Eintritt in die  Gemeindeverwaltung gegeben. Als Vorstandsmitglied wußte er sich das Gemeindebuch, das unter der Obhut des Alexander Süssel, eines anderen Mitgliedes der Verwaltung war, zu verschaffen und daraus das ominöse Blatt zu entfernen, nicht ohne vorher eine wortgetreue Abschrift anfertigen zu lassen, die er an den Vorstand übermittelte. Dieser ließ nun den Inhalt nochmals eintragen und bestrafte die eigenmächtige Handlung sowie eine Ehrenbeleidigung, die sich Chajjim Wolf bei einer Auseinandersetzung über diese Angelegenheit gegen Moses Rust zuschulden kommen ließ, mit der Entziehung des Wahlrechtes für die Dauer von 3 Jahren (II).

Chajjim Wolf hatte sich nun nicht nur über den sein Haus kompromittierenden Eintrag einer 10 Jahre zurückreichenden Angelegenheit, sondern auch über die ihm angetane Schmach des Ausschlusses zu beklagen. Daß dieses keine lehre Drohung war, konnte er bald erfahren, denn zu der kurz nachher erfolgten Wahl hatte er keinen Zutritt. Da sein Ausschluß, wie er geltend machte, gegen das Status der Gemeinde verstieß - seine Gegner warfen ihm allerdings vor, daß er an derartigen Beschlüssen anderen gegenüber teilgenommen hatte -, so mußte er die Wahl als ungesetzlich ansehen. Der Streit ging nun sehr hoch. Es waren öffentliche und private Dinge auszutragen. Aus diesem Wirrsal herauszukommen, einigten sich die Streitteile mit Zustimmung der grundherrschaftlichen Verwaltung, die Austragung der Angelegenheit einem Rabbinatsgerichte zu überlassen, dessen Vorsitz der Ortsrabbiner führte und dessen andere zwei Mitglieder Rabbiner benachbarter Gemeinden waren, die mit den streitenden Parteien keine Berührung hatten. Das Urteil folgte in Extenso in deutscher Übersetzung. Es soll daher nur kurz mitgeteilt werden, daß das Gericht die Strafe bis zum Ursprung verfolgt, das Urteil gegen Frumet unbegründet findet und auf die Löschung derselben erkennt. Die Handlung des Chajjim Wolf sieht das Urteil als überstürzt und voreilig, die einigermaßen zu bestrafen sei, aber doch wieder als eine Art Selbstwehr an und verurteilt ihn, dem Vorstande Abbitte zu leisten. Der Grund des Ausschlusses, der obendrein gegen das Statut und gegen das Gesetz verstößt, fällt somit weg. Die Ehrenbeleidigung des Moses Rust muß, wenn der Beleidigte es anträgt, vor Gericht und nicht vor den Vorstand kommen. Wegen des Umstandes jedoch, daß dieser Vorfall sich in der Synagoge zugetragen, wird Ch. W. zu einer Geldbuße von 18 fl. für wohltätige Zwecke verpflichtet. Die anderen Punkte, so die Frage über die Gültigkeit der Wahl sind aus dem Urteil zu ersehen (III).

In der Revision seitens des fürstlichen Verwalter-Amtes wird der Spruch der Rabbiner zur Gänze bestätigt. In der Qualifizierung der Handlung als berechtigte Selbstwehr sieht jedoch das Verwalter- Amt eine Erschütterung der Autorität und des Rechtes. "Daß nämlich Joachim Wolf Segal berechtigt gewesen seye, sich selbst Genugthuung zu verschaffen... Dieser von denen zum Gerichte sitzenden Oberrabbinern in ihrem Spruch aufgestellte Grundsatz ist nicht nur ganz irrig, sondern auch gefährlich... Darum sind Richter aufgestellt, darum Gesetze gebracht, daß jedermann, dem Unrecht geschieht, er die Gerechtigkeit anflehen könne..." (IV).

Das letzte Aktenstück beschäftigt sich mit der Herabsetzung der gegen Alexander Süssel, in dessen Obhut, wie bereits erwähnt, das Gemeindebuch sich befand, erkannten Strafe, da, wie das Beweisverfahren ergab, er an dem Vorgang nicht so schuldig war, wie ursprünglich angenommen wurde (V).

VI. Gibt die Notiz aus PB bezüglich der Verwendung der Strafgelder, an welcher auch die Herrschaft interessiert war, wieder. (Rührt aus einer Zeit vor V. her).

1804 März 9.

In Sachen der Streitigkeiten zwischen den Herren des Vorstandes der Gemeinde Eisenstadt und dem Herrn Chajjim Wolf SegaL haben die Parteien nach Vorfall vieler Dinge dem erwähnten Urteil Ch. W. bereits in Abwesenheit eine Strafe auferlegt, die nämlich, ihn nicht am Simchath-Thora zur Thora zu rufen und am Umgang nicht teilnehmen zu lassen. Wenn jedoch M. R. mit dieser Bestrafung nicht einverstanden sei, so muß das Recht entscheiden. Es ist Sache des M. R., die Angelegenheit vor Gericht zu bringen, das dann durch Zeugen festzustellen haben wird, wer der Urheber sei, wer wem etwas zugefügt habe und darnach nach den Gesetzen unserer heiligen Thora auf Gutmachung erkennen werde. Die Herren des Vorstandes haben damit nichts zu tun.

Da aber durch diese Streitereien die Ehre unserer heiligen Thora und die er heiligen Gemeinde entweiht wurde, woran im Wesen die Voreiligkeit des Herrn Ch. W., der, ohne den Rabbiner zu befragen, die Handlung vollzogen hat, Schuld trägt, so geziemt es sich, daß er es sich vornehmen in der Folge Ähnliches nicht zu tun und für das Vergangene eine Buße auf sich zu nehmen. Er soll deshalb eine Geldbuße im Betrage von je 2 fl. n jeden Verein in der Gemeinde, zusammen 12 fl., und noch weitere 6 fl. für Arme leisten und damit ist seine Sühne vollzogen.

Betreffs des Einspruchs des Ch. W. gegen die Gültigkeit der Wahl mit dem Begründen, daß die Wahl zunächst ungültig sei, weil sein Ausschluß aus derselben unrechtmäßig erfolgt und dann weil der neugewählte Vorsteher mit einem der Vorstandsmitglieder nahe verwandt sei, ist allerdings das Vorgebrachte richtig. Allein anläßlich eine ähnlichen Falles in vergangener Zeit hat ein namhafter Lehrer den Ausspruch getan: "Da er schon hinaufgestiegen, soll er nicht hinuntergehen". Es hat demnach bei dem jetzigen Wahlergebnis zu bleiben - diesmal, aber nicht mehr! Aber auch in diesem Jahre kann jede Partei es ablehnen, daß die beiden Schwäger, der Vorsteher und das ihm verschwägerte Vorstandsmitglied, zusammen in einer Rechtssache mittun. Ebensowenig dürfen sie zusammen ein Schriftstück zeichnen. Anderseits sind die von den Wahlmännern Gewählten nicht abzusetzen und keinem Menschen ist es erlaubt, gegen sie den Kopf zu erheben. Liebet die Wahrheit und den Frieden!

Bezüglich des Verlangens des Ch. W., daß die Herren des Vorstandes auch gegen jene zwei Mitglieder der Gemeinde klägerisch auftreten sollten, die zugegen waren, als er das Blatt herausriß und dann noch gegen einen, der ebenfalls ein Blatt herausgerissen hatte, wo sich gegen ihn eine Urteil befand, so entscheiden wir, daß dies nicht Sache des Ch. W. ist. Wenn die Herren des Vorstandes es für gut finden, diesen zu verzeihen, so können sie verzeihen, wenn sie sie betrafen wollen, können sie sie zu Gericht laden.

Betreffend die Klage der Vorsteher gegen Ch. W., weil er ohne Wissen derselben jemand vom Gemeindearrest befreit hatte, so war sichtbar die Verhängung eines Arrestes gegen einen Jugendlichen, der das straffähige Alter noch nicht erreicht hatte, gegen das Gesetz unserer Lehre, zumal die Schuld gar nicht feststand. Da nun Ch. W. der Vormund dieser jungen Waise war, so hat er somit eine berechtigte Selbstwehr geübt. Trotzdem scheint es, daß er hier voreilig gehandelt hat, und daß es jedenfalls seine Pflicht war, den Herrn Vorsteher darum zu ersuchen oder sich darüber beim Rabbiner zu beschweren und nicht "vor aller Augen den Riemen zu lösen". Etwas wie Übereilung war es auch, das Blatt aus dem Gemeindebuche herauszureißen. Es wird demgemäss Herr. Ch. W. verpflichtet, vor den Herren des Vorstandes in der Gemeindestube zu erscheinen und ihnen Abbitte zu leisten mit der Zusicherung, in der Folge keineswegs etwas gegen sie zu unternehmen.

Noch andere Streitigkeiten und Beleidigungen sind zur Verhandlung gekommen. Wir finden jedoch, daß dies Nichtigkeiten sind, wie ja aus dem Zanke kein Frieden entstehen könne. Deshalb habe wir dies nicht weiter behandelt. Von heute an schone jeder die Ehre des Andern, ganz besonders der Einzelne die der Gesamtheit.
All das Vorgebrachte erging von uns als rechtsgültige Entscheidung nach dem Gesetze unserer heiligen Thora aus Liebe zur Wahrheit und zum Frieden, zur Ehre Gottes, seiner Lehre und seines Volkes. ER, gelobt sei sein Name, möge helfen, schützen und Heil bringen jedem, der den Frieden seiner Diener und seines Volkes wünscht.

Wir haben es in der großen Gerichtssitzung geschrieben hier in der heiligen Gemeinde Eisenstadt, am Rüsttage zum Sabbath, 26. Adar im Jahre 564 nach der kleinen Zahl.
Worte des geringen Jechiel Michl ha-Levi, Oberrabbiner der genannten Gemeinde und Umgebung.
Worte des geringen Schalum Ullmann, Oberrabbiner in  Frauenkirchen.
Moses der geringe Sofer aus Frankfurt a.M.